Hochzeitsfotografin hautnah

Es gibt unheimliche viele Informationen zum Thema Hochzeitsfotografie im Netz – es wird eben oftmals über allgemeine Dinge geschrieben. Aber wie schaut es mit einem Blick hinter den Kulissen aus? Wie hält sich ein Hochzeitsfotograf eigentlich fit? Wann beginnt beim Fotografen am Tag der Trauung der Arbeitstag? Es gibt so viele unzählige interessante Fragen!

Ich durfte viele interessante Fragen loswerden… und zwar bei Katrin Kind. Katrin ist Hochzeitsfotografin – ob freie Trauungen, Standesamtliche Trauungen oder kirchliche Hochzeiten. Sie liebt Hochzeiten in München, Bayern und auch mal am anderen Ende der Welt.

Katrin und ich haben uns durch ein Brautpaar kennengelernt, eben durch unsere gemeinsame Leidenschaft ;-). Unsere Gespräche waren von Anfang an offen und interessiert. Wir haben uns gegenseitig viele Fragen gestellt. Und das wiederum hat dazu geführt, dass wir uns gefragt haben, ob die Antworten nicht auch Euch interessieren würden! Ich möchte Euch auf eine kleine Reise hinter die Kulissen von Katrin Kind nehmen. Viel Spaß beim Lesen.

www.katrinkind.com

Wann beginnt Deine Arbeit am Tag einer Hochzeit? 
Meine Arbeit beginnt sogar bereits einige Monate vor der Hochzeit. Beim Vorgespräch lernen mich meine Brautpaare kennen, wo ich ihnen viele wertvolle Tipps zur Hochzeitsplanung gebe. Das anschließende Verlobungsshooting ist eine tolle Gelegenheit, vor der Kamera zu „üben“. Wenige Wochen vor der Hochzeit helfe ich meinen Paaren bei der Planung des Tagesablaufs und sehe mir außerdem geeignete Locations für das Paarshooting an. Einen Tag vor der Hochzeit checke ich nochmal mein gesamtes Equipment und lege meine Kleidung bereit.

Wie sieht ein typischer Tag mit einer Hochzeit bei Dir aus?
Am Morgen der Hochzeit frühstücke ich erst einmal und gehe ein letztes Mal den Ablauf für mich durch. Dann fahre ich immer mit jeder Menge Puffer los, denn lieber bin ich etwas früher da und kann entspannt mit der Hochzeitsreportage beginnen. Typischerweise starte ich mit dem Getting Ready bei der Braut und halte gerne auch ein paar Momente beim Bräutigam fest. Dann steigt die Spannung, wenn sich das Paar zum ersten Mal bei First Look sehen und bestaunen kann. Meistens nutze ich die Zeit zwischen First Look und der Trauung für ein paar erste Portraitbilder. Die Trauung ist ein weiteres emotionales Highlight. Danach folgt die Gratulation mit einem Sektempfang und dem Anschnitt der Hochzeitstorte. Während die Gäste die Torte vernaschen, ist ein guter Zeitpunkt für einen zweiten Teil der Portraitfotos. Am späten Nachmittag, Richtung Sonnenuntergang, ist das Licht aus fotografischer Sicht noch schöner und weicher als in der prallen Mittagssonne. Beim Abendessen halte ich mich für Reden oder Einlagen bereit. Ein schöner Abschluss der Reportage ist der Moment, an dem das Hochzeitspaar gemeinsam die Tanzfläche eröffnet.

Bist Du immer bis zum Schluss auf einer Hochzeit? Wie lang ging die letzte Hochzeitsparty?
Die meisten Hochzeiten begleite ich bis zum ersten Tanz und halte danach noch für ungefähr 30-60 Minuten die Partystimmung fest. Ich bin also selten bis ganz zum Schluss dabei und muss ehrlich sagen, dass sich die Bilder von der tanzenden Gesellschaft dann irgendwann wiederholen. Je nachdem, wie weit die Feier von meinem zuhause entfernt ist, fahre ich noch am selben Abend zurück oder habe ein Zimmer, so dass ich erst am nächsten Morgen heimfahre.

Einen etwas anderen Abschluss gab es bei meiner letzten Hochzeit, die im Ausland stattfand. Nach getaner Arbeit bin ich tatsächlich samt Kleidung in den Pool gehüpft und habe mit der Gesellschaft bis zum Schluss weitergefeiert. Da ich direkt an der Hochzeitslocation untergebracht war, war der Weg ins Bett dann auch nicht mehr weit. Den Fotobeweis gibt es auf meiner Homepage zu sehen.

Machst Du zwischendurch auch mal Pause?
Ich bin ununterbrochen auf den Füßen und muss hochkonzentriert bleiben, damit ich keinen wichtigen Augenblick verpasse. Das ist physisch und psychisch sehr fordernd. Wenn es der Ablauf erlaubt, mache ich daher gerne eine kurze Pause während dem Abendessen. Da ich die Gäste nicht beim Essen fotografiere, ist dies ein guter Zeitpunkt. Meistens sitze ich an einem Tisch mit der Band oder dem DJ. So bekomme ich das Geschehen weiterhin mit. Wenn zum Beispiel eine Rede gehalten wird, bin ich sofort mit meiner Kamera zur Stelle. Ansonsten findet man in meiner Kameratasche immer Müsliriegel, Traubenzucker und Wasser.

Ein Tag von morgens bis abends und immer in Action: wie hältst Du Dich fit?
Oh ja, das ist ein guter Punkt. Ein Hochzeitstag an sich ist ja schon eine gute Sporteinheit. Das Kameraequipment wiegt einiges und ich bin ununterbrochen auf den Beinen und flitze umher, um die verschiedensten Perspektiven festzuhalten. In meiner Freizeit halte ich es vielseitig und bin gerne auch an der frischen Luft. Ich besuche Kurse im Fitnessstudio und lebe meine Pferdeliebe beim Reitunterricht aus. Letztes Jahr habe ich außerdem das Skifahren für mich entdeckt. Last but not least: Leckeres gesundes Essen, Zeit für mich und ausreichend Schlaf 🙂

Was ist für Dich der Zauber einer freien Trauung?
Freie Trauungen sind etwas ganz Besonderes und mein heimlicher Favorit. Je persönlicher die Zeremonie gestaltet ist, desto mehr gehen die Worte und die Musik unter die Haut, berühren das Paar und die Gäste. Wenn die Traurednerin von der Geschichte des Paars erzählt, das gemeinsame Lied gespielt wird oder die selbstgeschriebenen Eheversprechen vorgelesen werden. Das alles ist die Garantie für eine unvergessliche Zeremonie mit verliebten Blicken, Lachen und Freudentränen. Und diese Momente halte ich für immer fest… und verdrücke ich auch gerne mal ein Tränchen hinter der Kamera.

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Hast Du aus fotografischer Sicht Tipps, was das Brautpaar bei einer freien Trauung beachten sollte?
Ja, da habe ich ein paar wichtige Tipps: Wenn die Zeremonie draußen stattfindet, solltet Ihr eine Uhrzeit wählen, an der die Sonne nicht direkt über Euch steht oder Euch von vorne anstrahlt. Sonst habt Ihr entweder dunkle Schatten unter den Augen oder zugekniffene Augen. An einem perfekten Sommertag muss auch für die Gäste für ausreichend Schatten gesorgt sein. Die Schattenspender sollten unbedingt in neutralen Farben, wie weiß, creme, hellgrau gehalten sein, da sich alle anderen Farben sonst in Euren Gesichtern oder dem Kleid spiegeln.

Eine schöne und etwas andere Variante ist, dass Ihr als Hochzeitspaar so sitzt, dass die Gäste Euch von vorne sehen können. Zuletzt freue ich mich über ausreichend Bewegungsfreiheit, um die Trauung aus den besten Blickwinkeln festhalten zu können.

Was war das Lustigste, was Du jemals bei einer Hochzeit erlebt hast?
Am lustigsten finde ich persönliche Einlagen, die wirklich durchdacht sind und das Brautpaar ordentlich zum Lachen bringen. Zum Beispiel originelle Lieder mit personalisierten Strophen oder kurzweilige Diashows mit einer humorvollen Moderation. Ich habe schon persönliche Videobotschaften für das Brautpaar vom Fußballer Philipp Lahm oder der Sängerin Christina Stürmer erlebt. Das war wirklich sensationell.

An welchen Orten fotografierst Du besonders gerne und wo möchtest Du noch unbedingt mal eine freie Trauung begleiten?
Ich mag es gerne im Grünen, am See oder in den Bergen. Tolle Locations für freie Trauungen in München sind zum Beispiel das Bamberger Haus oder das Palmenhaus beim Schloss Nymphenburg. Außerhalb von München empfehle ich die Alte Gärtnerei, das La Villa am Starnberger See, das Gut Sonnenhausen, das Lenas am Ammersee und das Wasmeier Freilichtmuseum.

Gibt es als Hochzeitsfotograf einen bestimmten Dresscode? In welchem Outfit fühlst Du Dich wohl?
Damit ich mich unbemerkt unter die Gäste mischen kann, finde ich es wichtig, als Hochzeitsfotografin mit meinem Outfit nicht total herauszustechen. Am liebsten wähle ich daher Outfits, als wäre ich auch Gast bei der Hochzeit. Knallige Farben, ganz in schwarz oder weiß sind für mich ein No-Go. Meine Kleidung muss dabei viel Bewegungsfreiheit zulassen, da es manchmal schnell gehen muss. Flache, bequeme und trotzdem schicke Schuhe halten meine Füße am Leben und sind praktisch, wenn ich schnell umherflitzen muss. Wird in Tracht geheiratet, kommt übrigens gern mein Dirndl zum Einsatz.

Wann sollten die Brautpaare anfangen, einen Fotografen für Ihre Hochzeit zu suchen?
Sobald Ihr Euer Datum und die Hochzeitslocation festgelegt habt, könnt Ihr Euch auf die Suche nach dem richtigen Hochzeitsfotografen begeben. Die meisten Anfragen erhalte ich ca. 6-12 Monate im Voraus, es gibt aber auch Paare, die mich bereits anderthalb Jahre im Voraus buchen. Gerade in der Hauptsaison zwischen Mai und Oktober sind die Termine schnell vergeben.

Mehr zu Katrin Kind, Fotografin aus München:
Hochzeitsfotografin & Braut: Wie geht Katrin mit der aktuellen Corona-Krise um? Das Interview findest Du auf meiner Website.

Hier findest Du die Homepage von Katrin Kind – sieh Dich doch auch gerne mal auf ihren Sozialen Medien wie Facebook & Instagram um.

Bildhinweis & Copyright: die veröffentlichen Bilder stammen von Katrin Kind.

Interviews mit mir und Katrin:
Hochzeit im LA VILLA am Starnberger See, Freie Trauung mit Sabrina & Valeri“ &
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